Wie der Limburger Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) bereits am 16. Oktober im Interview mit hr-online mitteilte, „sind die Zugriffszahlen für die Internet-Seite der Stadt massiv gestiegen. Wir haben 5.000 Nutzer am Tag – bei einer Stadt mit 35.000 Einwohnern. Und wir spüren einen Zulauf an Touristen. Es ist Mitte Oktober und das Wetter ist nicht schön, trotzdem war die Altstadt am Wochenende voll.“
Auch das ist eine Seite des sogenannten Skandals im Bistum Limburg, eine, die bislang viel zu wenig Beachtung gefunden hat: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat dem beschaulichen Städtchen an der Lahn einen unerwarteten Tourismus-Boom, noch dazu in der „Saure-Gurken-Zeit, beschert. Er hat die kleine Kreisstadt, deren mittelalterlicher Charme besticht, erst richtig bekannt, wenn nicht gar berühmt gemacht.
Die Touristen, die sich zur Tatortbegehung einfinden, kommen keineswegs alle mit tupperdosengefüllten Kühltaschen. Sie machen auch Spesen. Die einheimische
Gastronomie weiß das zu schätzen und bietet ortstypische Spezialitäten feil, wie zum Beispiel die „Bischofsknödel“! Im urigen Gasthaus "Zum Batzewert" kann man sie für 6,20 Euro bekommen. Die Knödel sind mit Blut- und Leberwurst gefüllt und werden mit Sauerkraut und
Specksoße serviert. (Ein Rezept, das einen Psychoanalytikerkongress gewiss zwei Tage lang beschäftigen könnte.)
Wem die bodenständige Regionalküche nicht zusagt, muss dennoch nicht darben. Für ihn hat Giuseppe Rizzo sich eine Köstlichkeit aus der italienischen Küche
einfallen lassen: Die "Pizza alla
Bischof". Sie ist belegt mit vier gegrillten Riesengambas sowie Rucola und kostet 24,70 Euro. Das Geld, sagt Herr Rizzo, werde für einen guten Zweck gespendet, entweder an eine Einrichtung
für Kinder oder an ein katholisches Altenheim. (DAS Geld? Doch hoffentlich nicht alles. Lieber Herr Rizzo behalten Sie wenigstens die Materialkosten ein, sonst werden Sie bei der Endabrechnung
ein blaues Wunder erleben - und dieses hat nichts mit einem biblischen Wunder, wie zum Beispiel der Brot- oder Weinvermehrung, zu tun, reineweg gar nichts.)
Nach dem Essen könnte man gewiss noch ein wenig feiern gehen in Limburg an der Lahn. Doch in diesem Punkt zeigen sich die Besucher derzeit noch zurückhaltend. Sie
fahren lieber wieder heim und lassen die gastfreundlichen Tatortbewohner wohlmöglich genauso traurig und ratlos zurück, wie The B-52´s es in ihrem Lied "Dance this mess around" zum Ausdruck gebracht haben: "Why don´t you dance with me/I´m not no Limburger/Just a Limburger, just a
Limburger". (Die Stelle, wo im Video ganz verzweifelt geschrien wird.)
So, insgesamt kann man wohl sagen: Die Dinge sind auf einem guten Weg. Wenn jetzt alle vernünftig mittuen und keinen Fehler machen, kann sich die Lage in der
malerischen Domstadt zu einer echten Win-win-Situation entwickeln. Eintrittspreise für den Bischofssitz, für die Noch-Baustelle, für den Dom, zudem verschiedenartige Souvenirs (Kaschperle- oder
Marionettenfiguren), kostenpflichtige Adventskranzseilzugbesichtigungen, Limburger Stollen (das Orginal: nur der mit der Fräse), Weihnachtsgebäck (Ver-Spekulatius) und, und, und - das
Zu-hohe-Kosten-Problem ist gewiss zu wuppen und ganz Limburg würde davon profitieren.
(Im Grunde genommen sind die angefallenen Baukosten ja gar nicht mal so dramatisch. In Berlin bezahlt man 35 Millionen Euro - also einen ganzen kostenexplodierten Limburger Bischofssitz
- PRO MONAT für einen Flughafen, von dem man nicht mal losfliegen kann. Bei Bischof Franz-Peter kann man
immerhin im Haus umhergehen und Reliquien betrachten.)
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